von Nici am Do Dez 10, 2009 9:20 pm
Hallo Frau Beckers!
Ich kann mir ungefähr vorstellen, wie sie sich fühlen müssen, am Anfang dieser Diagnose. Bei mir wurde die Skoliose mit 10 Jahren von Dr. Dierauer im Kispi Zürich zum ersten Mal diagnostiziert. Als wir ein halbes Jahr später zur 2. Untersuchung gingen, hatte sich die Skoliose um ca 20 Grad verschlechtert, da wir einen Chiropraktiker aufgesucht hatten und ansonsten keine Therapie machten. Dr. Dierauer empfahl mir zuerst Physio, die ich "irgendwo machen könnte". So waren wir schlecht informiert und unternahmen etwas auf eigene Faust - was anscheinend nichts gebracht hat. Der Arzt war total geschockt und sagte mir dieses halbe Jahr später dann, dass ich sofort Physio machen müsse und ein Korsett tragen soll. 23 h/Tag. Wenn ich einen Bogen von über 40 Grad gehabt hätte, dann würde er sowieso operieren, waren seine Worte. Ich hatte damals 39 Grad, laut seiner Messung.
Danach wechselten wir den Arzt. Als geeignete Physiotherapie, wurde uns von einem Fitness-Arzt meine spätere Physiotherapeutin in Winterthur empfohlen. Sie ist Schroth-Therapeutin. Das Korsett wurde angefertigt. Wir liessen mich von nun an bei einem Arzt in Uster untersuchen, welcher mir vor allem Rezepte ausstellte oder Überweisungsberichte schrieb. Ansonsten hatte er nicht viel mit meiner Geschichte zu tun. Ausserdem sagte er uns, dasss meine Krümmung falsch gemessen wurde und ich eig. schon 42 Grad hätte und gar nicht 39.
Beim letzten Röntgenbild - das inzwischen aber auch schon ca. 3 Jahre her ist - hatte ich dann noch 30 Grad Verkrümmung. Das ist ein grosser Erfolg, wenn man bedenkt, dass die Krümmung in der Pubertät zu halten eigentlich schon als Erfolg gilt! Ich bin fest von der Wirkung der Schroth-Therapie und dem konsequenten Tragen des Korsetts überzeugt. Noch heute trage ich es in der Nacht. Ich bin jetzt 18 Jahre alt und gehe im Sommer (mit 19) dann zum 4. Mal nach Sobi. Sozusagen als Kontrolltherapie und um mehr Motivation für die Übungen zu schöpfen. Mir gefiel es immer sehr gut. Man konnte Kontakte knüpfen, sich mit anderen betroffenen und Angehörigen austauschen und lernte viele neue Übungen und Techniken.
Ich bin überzeugt, dass eine OP das Falsche gewesen wäre, zu diesem Zeitpunkt. Ich habe weder Schmerzen, noch fällt die Skoliose bei mir auf. Ich denke, dass eine OP notwendig sein kann, aber das muss von Fall zu Fall entschieden werden und viele Aspekte müssen miteinbezogen werden (Leidensdruck, gesundheitliche Schädigungen...), aber es sollte nicht über die Gradzahl angeschaut und durch diese Entscheidungen gefällt werden.
Falls sie noch Fragen haben, können sie mich gerne auch per Privat Nachricht oder Mail kontaktieren. Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen und sie können meinen etwas unstrukturierten Text entziffern.
Liebe Grüsse Nicole